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Kleintierpraxis Ingo Lühr
praktischer Tierarzt in Gummersbach - Zentrum
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Ein Welpe kommt ins Haus Unsere Tipps zu den ersten Tagen und zu den Grundlagen der Hunderziehung Ein kleiner Welpe zieht bei Ihnen Zuhause ein - herzlichen Glückwunsch zu dieser Entscheidung, die Ihr Leben für viele Jahre positiv beeinflussen wird! Die erste Zeit ist eine spannende und für viele auch die schönste Zeit mit einem Hund. Sie haben sich dazu entschieden, einem Hundewelpen ein Zuhause zu geben, dadurch steht jetzt aber nicht nur der Spaß mit Ihrem neuen Mitbewohner im Vordergrund, sondern es stehen auch Arbeit und Veränderungen in Ihrem Alltag auf dem Plan. Viele Fragen werden in den nächsten Tagen und Wochen auftreten z. B.: ► Wo soll mein Hund schlafen? ► Was kann ich gegen die Zerstörungswut unternehmen? ► Wie bekomme ich meinen Hund stubenrein? ► Wie bringe ich meinem Hund etwas bei? ► Soll er sofort an der Leine laufen? ► Wie stelle ich es an, dass er auch einmal alleine bleiben kann? Diese Fragen werden wir Ihnen mit diesem Infoblatt zu beantworten versuchen, bitte sehen Sie diese Tipps als unsere Empfehlung an aus unserer eigenen, persönlichen Erfahrung heraus. Wir möchten Ihnen nach bestem Wissen und Gewissen eine Hilfestellung geben, unsere Tipps sind praxiserprobt und entsprechen meist auch der gängigen Lehrmeinung. Dennoch muss jeder Hundebesitzer grundsätzlich seinen eigenen, individuellen Weg in der Hundeerziehung finden.
Die ersten Tage! Die ersten Tage, in denen der Welpe bei Ihnen ist, sollten ganz dem Welpen gehören. Ein paar Tage Urlaub dafür zu verwenden, ist sehr sinnvoll. Es sollte rund um die Uhr eine Bezugsperson anwesend sein, am besten alle erwachsenen Bezugspersonen, aber bitte erst einmal keine Freunde, weitere Familie und Bekannte! Der Welpe hat Trennungsängste von der Mutter und den Geschwistern und soll sich schnell an sein neues „Rudel“ gewöhnen“. Die Vorstellung des neuen Familienmitgliedes im Freundes- und Bekanntenkreis sollte frühestens nach einer Woche stattfinden!
Die allerersten Übungen an den ersten Tagen: In den ersten Tagen lassen Sie den Welpen die neue Umgebung erkunden. Vorher die Wohnung / den Garten bitte welpensicher machen und alles Gefährliche wegräumen und ggf. absperren.
Allererste Übung sollte sein: Der Name Ihres Hundes!
Nennen Sie den Namen bei jeder sich bietenden Gelegenheit, bei dem Sie Ihren Hund ansprechen. Bitte jetzt noch keine Kommandos wie „Komm“ oder „Sitz“ etc. üben, einfach nur den Namen einprägen! Nach ein paar Tagen können Sie anfangen, wenn der Welpe schon weiß, wie er angesprochen wird, den Welpen zu locken und dabei erst den Namen und auch schon den Begriff „komm“ zu üben. Dabei ist folgende Vorgehensweise empfehlenswert:
Das Kommando „Komm“Sinnvolle Übung zum „Komm“: Stellen Sie sich mit einem Partner, am besten der zweiten Bezugsperson, im Abstand von 3-5 Metern gegenüber auf. Einer von Ihnen hält in der Hocke den Welpen vor der Brust fest, Blickrichtung des Welpen auf Ihren Gegenüber. Ihr Gegenüber wiederum macht Geräusche und Bewegungen oder lockt mit einem Seilknoten bzw. einem anderen Spielzeug. Bitte bis hierhin kein Kommando oder den Namen rufen! In dem Moment, in dem das Interesse geweckt ist, wird der Welpe frei gegeben und erst wenn der Welpe sich freudig in Bewegung gesetzt hat, kommt von der Gegenseite erst der Name und dann sofort das Kommando „Komm“! Bitte nicht den Namen und auf keinen Fall das „Komm“ aussprechen, wenn der Welpe noch steht oder anderweitig abgelenkt ist! Auf der anderen Seite angekommen sollte ohne Zeitverzug (unbedingt innerhalb von 2 Sekunden) ein tolles Lob erfolgen, bestehend aus einem kleinen Spiel und hoher, lobender Stimme, Knuddeln und natürlich einem Leckerchen! Besonders die Herrchen sollten sich in der Hundeerziehung Mühe geben, die an sich tiefe Männerstimme zum Loben sehr stark anzuheben, auch wenn es anfänglich etwas albern vorkommen mag, denn das ist wichtig, damit der Hund ein Lob auch als solches erkennt! Nach einigen Versuchen wird Ihr Welpe schnell begriffen haben, dass das Zulaufen auf das neue Frauchen bzw. Herrchen zusammen mit dem Kommando „Komm“ Spaß macht und obendrein am Ende belohnt wird! Extrem wichtig ist: Das „Komm“- Kommando nur in der Bewegung auf Sie zu zu geben, nie, wenn der Welpe seitlich abschweift oder noch steht - es müssen vom Welpen in dieser ersten Phase erst einmal das „Komm“ und die Bewegung auf Sie zu miteinander verknüpft werden! Sie werden sehen, dieses Spiel, mehrfach am Tag durchgeführt, führt sehr schnell zu einem Verständnis für das „Komm“! Nach einigen Tagen der Gewöhnung an Ihre Familie als das „neue Rudel“ sollten Sie direkt mit einer zweiten Übung beginnen:
Freilauf im Wald - der Folgetrieb
Um es zu erreichen, dass Ihr Hund später ohne Leine in Ihrer Nähe bleibt und beim Spaziergang über Feld und Wald einen möglichst engen Radius um Sie herum einhält, müssen Sie die Grundlagen dafür jetzt legen! Folgende Übung dazu hat sich sehr bewährt: Gehen Sie jeden Tag mit Ihrem Welpen in bewaldetes Gebiet, tragen Sie den Welpen bitte bis dorthin, sonst ist er kaum angekommen schon müde und überfordert. Gehen Sie an eine ungefährliche Stelle abseits der Wege ohne jede Fahrzeuge, Menschen und Tiere. Es sollten möglichst viele Sichthindernisse (Bäume) vorhanden sein. Setzen Sie Ihren Welpen neben sich -ohne Leine- auf den Boden!Keine Sorge, er wird nicht weglaufen! Welpen haben in den ersten Wochen instinktiv einen sogenannten „Folgetrieb“, das heißt, ein Welpe folgt intuitiv dem Rudel. Sie, als sein „neues Rudel“, sind somit die Person, in dessen Nähe Ihr Welpe immer sein möchte. Sie werden feststellen, dass nach einigen Minuten Ihr Welpe etwas mutiger werden wird und sich Meter um Meter von Ihnen entfernt. In dem Moment, in dem Ihr Welpe den Sichtkontakt zu Ihnen verliert (deswegen am besten im Wald durchführen), sollten Sie ihn nicht rufen, sondern im Gegenteil, bitte verstecken Sie sich hinter dem nächstbesten Baum! Ihr Welpe wird irgendwann merken, dass er den Blickkontakt zum „Rudel“ verloren hat und auf die Suche nach Ihnen gehen. Lassen Sie den Welpen ruhig ein wenig suchen! Wenn er Sie findet, sollte kein großes Wiedersehen mit Freude und Spiel stattfinden, sondern am besten keine besondere Begrüßung. Ihr Welpe wird sich diese Erfahrung, „fast sein Rudel verloren zu haben“, gut merken. Von Mal zu Mal in dieser Übung werden Sie merken, dass sich Ihr Welpe immer öfter nach Ihnen umdreht, um zu schauen, ob Sie noch da sind und er wird sich immer weniger weit von Ihnen entfernen. Wenn Sie diese Übung oft (bei jedem Spaziergang) wiederholen, können Sie es so erreichen, dass Sie später einen Hund als Partner haben, der immer eng bei Ihnen bleibt, ganz ohne Leine! Spätestens ab der 16. Woche funktioniert der Folgetrieb leider nicht mehr und Sie MÜSSEN Ihren Hund erst einmal angeleint führen, um dem Nachgeben einer eventuellen Jagdlust vorzubeugen! Wenn Sie vor der 16. Woche feststellen, dass sich Ihr Hund zielstrebig weit entfernt und sich zu für ihn interessanten Orten hinbewegt, ohne Anzeichen von Verlustangst zu zeigen oder wenn Ihr Hund jetzt schon Ansätze von Jagdlust zeigt, sollten Sie auf jeden Fall mit einer Schleppleine arbeiten, die Ihnen weiterhin Zugriff auf den Hund bietet. Bei Jagdlust müssen Sie leider ganz ohne Freilauf arbeiten, da die Jagd an sich selbstbelohnend ist und Sie im nachhinein nicht mehr erzieherisch dagegen ankommen. Jagd darf keinesfalls zugelassen werden!
Wichtige Tipps für Zuhause, für tagsüber und für die Nacht
Tagsüber:
„Die Box“ (späteres Körbchen) Dieses zentrale Element der Hunderziehung hat sich als überaus förderlich und sinnvoll herausgestellt. Mit „Box“ ist eine große Gitterbox gemeint, ausreichend bemessen auch für das schon ausgewachsene Tier. (zwischen 60 und 120 cm Kantenlänge, ja nach Rasse) Die üblichen Transportboxen für das Auto sind damit explizit NICHT gemeint, diese sind für den Zweck definitiv zu klein! Ein Beispiel für so eine Box sehen sie hier:
Die Gitterboxen gibt es in verschiedenen Größen zu kaufen im Internet oder zum gleichen Preis ohne Versandkosten über unsere Praxis - bitte fragen Sie uns!
Die Box sollte zentral in der Wohnung platziert sein (das Wohnzimmer ist dabei besser als der Flur), damit der Welpe trotzdem noch mitbekommt, was um ihn herum passiert. Sie sollten die Box groß genug kaufen, damit Ihr Hund auch ausgewachsen noch ausreichend Platz hat und sie ihm ein Kissen oder ein Körbchen oder eine Decke hineinlegen können, denn es sollte kein weiteres Körbchen für tagsüber in der Wohnung sein: Die Box ist jetzt SEIN Platz für Ruhe, Schlaf und für den Rückzug. Außerdem sollte die Box für den Hund attraktiv gestaltet werden, dass heißt, Futter und Wasser sollten nur in der Box angeboten werden. Damit hat die Box für Ihren Welpen direkt eine positive Bedeutung! Das Futter und das Wasser sollten dazu in der hintersten Ecke der Box angeboten werden, damit Ihr Welpe zum Trinken und Essen ganz in die Box eintreten muss, lassen sie die Tür anfangs bitte immer weit geöffnet! Zusätzlich könnten Sie eine Decke über die Box hängen, das vermittelt eine Art Höhleneffekt, der von Hunden sehr geschätzt wird. Zum Angewöhnen der Box sollten Sie den müde gewordenen und eingeschlafenen Welpen immer wieder in die Box legen, irgendwann wird er auch einmal drin bleiben und weiterschlafen! Klappt das, sollten sie die Tür der Box erst einmal nur anlehnen und im zweiten Schritt auch einmal verschließen. Steigern Sie die Dauer langsam und Sie haben das Ziel, dass die Box akzeptiert wird, fast erreicht. Im Anschluss muss noch trainiert werden, dass Sie den Raum verlassen können und Ihr Hund in der Box sitzt, hierbei sollten Sie steigende Zeitabstände üben unter „akustischer Kontrolle“ Besonders wichtig: Öffnen Sie nie die Box in einem Moment, wenn Ihr Welpe jammert! Einsatz der Box: Sie sollten, egal wann und wie lange sie das Haus verlassen, den Welpen in die Box setzen. Jeder Welpe geht gerne auf Entdeckungsreise, viele Welpen landen danach wegen Fremdkörpern im Magen ( Socken, Gummispielzeuge, Fäden..) beim Tierarzt. Darüber hinaus leidet Ihre Einrichtung teilweise erheblich unter den Knabberattacken! Schützen Sie also Ihre Wohnung und vor allem Ihren Hund! Benennen Sie die Box! So wird ihr Hund bald bei dem Kommando (z. B. einfach „Box“) freiwillig in die Box gehen – am besten begleitet von einem Leckerchen oder einer Kaustange. Grundsätzlich sollten vor dem Gang in die Box immer eine Bewegung (Spaziergang, Spiel) und auch eine Mahlzeit erfolgt sein, das sorgt für die nötige „Bettschwere“ und die Ruhe in der Box wird von Ihrem Hund als willkommen angesehen! Die Box dient außerdem zur klaren Trennung zwischen Spiel und Ruhe. Deshalb sollte sich in der Box auch kein Spielzeug befinden. Wichtig ist auch, allen Familienmitgliedern zu vermitteln (besonders den Kindern), dass der Hund in der Box jetzt NICHT zum Spielen da ist und in Ruhe gelassen werden muss! Auch für die Rangordnung spielt die Box eine wichtige Rolle, so kann der Welpe es lernen, einmal nicht im Mittelpunkt zu stehen und in der Box zu bleiben. Dies zeigt Ihrem Hund deutlich, dass er nicht die Nummer 1 der Rangordnung ist, um so mehr wird er um Ihre Aufmerksamkeit bemüht sein, wenn er wieder an der Reihe ist. In diesen Situationen macht eine für sofortige Box-Verweisung für kurze Zeit Sinn: ► Besuch kündigt sich an ►Es klingelt an der Tür ► Es wird Staub gesaugt ► Der Besitzer verlässt die Wohnung ►Ein Spiel wird übermütig oder durch den Besitzer beendet, der Welpe möchte aber weiterspielen und „überhört“ das „Nein“ ► mehrfaches Ignorieren eines bekannten Kommandos oder eines „Neins“ Sie sollten Ihren Hund immer freundlich in die Box schicken, nie unter massiver Nachhilfe oder unter lauter Zurechtweisung. Die Box ist kein Gefängnis, sie ist ein Rückzugsort und sollte positiv belegt sein! Beim gut trainierten Junghund ab der ca. 20 Woche sind nach Spaziergang und einer Mahlzeit Verweilzeiten in der Box bis zu 4 Stunden sicher vertretbar, ein voller 8-Stunden Arbeitstag hingegen ist definitiv zu lang für eine Boxaufenthalt! Einmal gut antrainiert, werden Sie die Box als unersetzliches Hilfsmittel bei der Hunderziehung schätzen! Mit einem bis eineinhalb Jahren nimmt der Zerstörungstrieb meist stark ab, der Hund wird erwachsen und „vernünftig“ und die Box wird jetzt nicht länger benötigt. An genau die Stelle in der Wohnung tritt dann ein Körbchen, Ihr Hund kennt die Stelle ja bereits als seinen Platz und wird das Körbchen sofort akzeptieren.
Nachts: Ihr Welpe sollte, wenn möglich und von Ihnen gewünscht, nachts bei seinem Rudel sein können, also bei Ihnen im Schlafzimmer! Natürlich nicht im Bett, wohl aber im selben Raum. Sehr bewährt hat sich auch hier eine räumliche Eingrenzung, allerdings sollte nicht die evtl. vorhandene Box (s. o.) abends in das Schafzimmer getragen werden, die Box sollte ihren festen unveränderlichen Platz haben. Praktisch ist für das Schlafzimmer z. B. ein alter Baby-Laufstall, der genug Platz bietet, von oben gut zugänglich ist, durch die Bodenplatte den Schlafzimmerteppich vor kleinen „Unfällen“ schützt und den Welpen an nächtlichen Entdeckungstouren hindert. Auch merken Sie es so besser, wenn Ihr Welpe nachts Pinkeln muss oder evtl. Durchfall bekommt und Sie können so rechtzeitig reagieren! Nach einigen Wochen (noch weit vor der Box) kann dann der Laufstall im Schlafzimmer gegen ein Körbchen ausgetauscht werden.
Die Grundlagen jeder Hunderziehung:
1. Regel: Die 2-Sekunden-Regel Hunde haben ein extrem kleines Kurzzeitgedächtnis. Alles, was nach 2 Sekunden passiert, wird nicht mehr mit der vorhergehenden Tat verknüpft. Beispiel: Ihr Welpe pinkelt in die Wohnung, Sie merken es aber erst, als Ihr Hund schon ein paar Meter weitergelaufen ist. Würden Sie jetzt erzieherisch tätig, Ihr Welpe wüsste nicht mehr, wofür er Ärger bekommt. Beseitigen Sie das Malheur in diesem Falle kommentarlos! Nur in flagranti erwischt sollten Sie solche „Unfälle“ ahnden, dann sollten Sie Ihrem Hund aber bitte auch direkt eine Lösung anbieten: Den Welpen (u. U. noch pinkelnd) mit nach draußen nehmen, sollte dann draußen noch ein Restgeschäft erledigt werden, muss das Lob überschwänglich sein, am besten mit Leckerchen obendrein! So lernt Ihr Welpe schnell: Pinkeln draußen lohnt sich! Ebenso macht es keinen Sinn, Diebstähle (Socken, Schuhe, Papier, vom Teller etc.) im nachhinein zu ahnden, wohlmöglich, wenn der Welpe mit dem „Diebesgut“ schwanzwedelnd zu Ihnen kommt: Sie würden ihn für seine tolle Apportierleistung auch noch bestrafen. Verhütung und Vermeidung sind da die einzige Alternative. Auch später gilt, selbst wenn Ihr Hund sich zu weit entfernt hat oder mehrfach nicht auf Ihren Ruf gehört hat: Wenn er dann doch irgendwann zu Ihnen zurück kommt, keinesfalls sollten Sie Ihren Hund dafür zurechtweisen oder bestrafen! Auch wenn er zu spät gekommen ist, er ist gekommen und das dürfen Sie nicht auch noch bestrafen! Andernfalls käme er nächstes Mal wohlmöglich nicht mehr oder noch später! Als Konsequenz muss in diesem Falle aber erst einmal mit kurzer Leine gearbeitet werden und dann noch eine ganze Weile mit einer Schleppleine, bis das Abrufen wieder klappt und letztendlich wieder problemlos abgeleint werden kann. Auch für sämtliche andere „Delikte“ gilt ein Leben lang die 2-Sekunden-Regel!
2. Regel: Hunde haben kein schlechtes Gewissen! Wenn Sie Ihren Hund bestrafen, ob nun zeitgerecht (innerhalb der 2 Sekunden), oder verspätet, Ihr Hund wird eine Geste zeigen, die sehr an ein schlechtes Gewissen erinnert (hängende Ohren, „Dackelblick“ etc.).Er hat aber kein schlechtes Gewissen! Es ist eine reine Taktik, durch diese Geste den unvermeidbaren Ärger geringer ausfallen zu lassen, meist klappt es ja auch. Da die begangene Tat an sich den Hund schon positiv bestärkt hat (z. B. Brot vom Teller gemopst und verschlungen), können Sie erzieherisch im nachhinein dagegen wenig ausrichten. Man nennt deshalb diese Dinge wie etwas zu klauen, dem Besitzer ausbüchsen und evtl. sogar einem anderen Tier / Radfahrer etc. Hinterherjagen deshalb auch „selbstbelohnend“. Auch hier gilt: Verhütung und Vermeidung sind die einzige Alternative.
3. Regel: Neue Fähigkeiten antrainieren: Ein gewünschtes Verhalten erst erzeugen, dann benennen und dann belohnen! >>> Ihr Hund kann kein Deutsch! <<< Wenn Sie Ihrem Hund etwas beibringen möchten, sei es Platz, Sitz, „bei Fuß“ oder andere Fähigkeiten, das Prinzip ist immer das Gleiche: Das zu erlernende Verhalten muss erst durch Tricks erzeugt werden, dann zum richtigen Zeitpunkt mit dem dafür vorgesehenen Kommando benannt werden und dann sofort belohnt werden! Beispiel Kommando „Sitz“: Den Welpen mit dem Rücken zu einem Hindernis (Wand, Schrank) positionieren, gut sichtbar ein Leckerchen nehmen und es über den Kopf des Welpen führen, bis er sich aus reiner Bequemlichkeit hinsetzt, da er natürlich dem Leckerchen hinterher schauen möchte. Berührt der Hintern den Boden, kommt Ihr Kommando „Sitz“ und sofort, ohne Verzug das Leckerchen und ein Lob hinterher. Ihr Hund verknüpft so in Windeseile das Hinsetzen mit dem Kommando „Sitz“ und natürlich der Belohnung! Auch eine Handgeste (ausgestreckter Zeigefinger z. B.) kann dazu genommen werden, um später auch ohne gesprochene Kommandos kommunizieren zu können. Zum viel schwierigeren „Platz“ - Üben führt man den Hund z. B. im Schneidersitz unter dem angewinkelten Bein hindurch, so dass der Bauch Ihres Hundes den Boden berühren muss, wenn er dem Leckerchen hinterher kriechen möchte. Zum richtigen Zeitpunkt dann das Kommando „Platz“ und das Leckerchen gegeben und Ihr Hund wird es schnell lernen. Auch hier ist eine zusätzliche Handgeste (flache, nach unten zeigende Hand) sinnvoll. Bitte „Platz“ nicht beim ganz jungen Welpen trainieren, „Platz“ und auch das „Bleib“ sind sehr schwere Unterordnungsübungen und sollten erst ab der ca. 12. Woche trainiert werden! Ein schlechtes Beispiel zum Vergleich: Sie möchten, dass Ihr Hund gut „bei Fuß“ geht. In Momenten, in denen er an der Leine zieht oder stehen bleibt, lassen Sie das Kommando „Fuß“ ertönen und rucken an der Leine. Was passiert? Im schlimmsten Falle verknüpft Ihr Hund das an-der-Leine-Ziehen (was Ihm durchaus Spaß machen kann) mit dem Kommando „Fuß“, also genau das Gegenteil von dem, was Sie erreichen wollten! Wenn Sie hingegen ein Leckerchen in die geschlossene Hand nehmen, die an der Hosennaht gehalten wird, den Hund so eng am Bein neben sich her locken und dazu regelmäßig das Kommando „Fuß“ mit diesem Leckerchen verknüpfen, ist der Erfolg schon programmiert. Grundsätzlich gilt: Bis ein Kommando 100%ig sitzt, sollte immer mit Leckerchen und Lob bestätigt werden, später reicht dann nur das Lob.
4. Regel: Konsequenz Die fast wichtigste Regel ist die einfachste und oft schwierigste Regel zugleich: Verhalten Sie sich immer gleich! Seien Sie für Ihren Hund berechenbar! Belohnen Sie immer die gleichen Dinge und bestrafen Sie immer die gleichen Dinge - ein Hund hat absolut kein Verständnis dafür, wenn er einmal etwas darf und das nächste Mal eine Strafe für genau das Gleiche kassiert! Hier sind auch alle in der Familie gefordert, sich abzusprechen, im eigenen Interesse! (z. B. Füttern vom Tisch, Hund auf die Couch / ins Bett)
5. Regel: Klare Rangordnung einhalten! Jeder Hund braucht eine klare Rangordnung! Ohne Rangordnung fühlt sich ein Hund unwohl und wird unsicher oder sogar aggressiv! Die Rangordnung muss sein: Sie (alle, auch die Kinder) ganz oben, der Hund ganz unten! Ihr Hund wird irgendwann versuchen, die Rangordnung umzukrempeln, besonders als pubertierender Junghund. Hier ist eine gewisse Strenge und besonders strikte Konsequenz gefordert, bei manchen Hunden sogar lebenslange Erinnerungen. Eine „Ich tu´ Dir nix- Du tust mir nix“ – Beziehung zu einem Hund ist eine sehr ungesunde Hund - Mensch - Beziehung, die fast immer unangenehme Folgen im Zusammenleben haben wird. Als Erfolg einer klaren, durch Sie eingehaltenen und überwachten Rangordnung wird sich ihr Hund in seiner ihm zugeteilten Position sehr zufrieden fühlen und der Begleiter in Ihrem Leben sein, den Sie sich gewünscht haben. Wichtiger Hinweis: Hier unterscheiden sie die kleinen Hunde keinesfalls von den großen Hunden, in dieser Beziehung sind alle Hunde gleich, im Gegenteil: Oft brauchen gerade die kleinen Hunde öfter eine „Erinnerung“ an die Rangordnung als die Großen! Einfache, kleine Rangordnungsübungen:
► Den Welpen mehrfach am Tag auf den Rücken Drehen und erst mit einem Kommando (z. B. „Frei“) sich wieder umdrehen lassen, und das erst, wenn er mehrere Sekunden nicht gezappelt hat und sich der untergebenen Position hingegeben hat ► Den Welpen /Junghund zweimal täglich ohne besonderen Anlass in die Box (s. u.) verweisen und 15-30 Minuten komplett ignorieren, während um die Box herum das Leben für den Hund gut sichtbar weitergeht ► Gehen Sie bewusst in Richtung Ihres Hundes, so dass er Ihnen ausweichen muss, drängen Sie ihn also mehrfach hintereinander sanft zur Seite ► Nehmen Sie Ihrem Hund mitten im Essen kurz den Napf weg, riechen daran und tun so, als ob Sie davon essen würden und geben den Napf kurz darauf kommentarlos zurück. Knurren oder Zähnefletschen muss dabei streng geahndet werden! Das Gleiche hin und wieder bei Kauknochen oder anderen Leckerchen durchführen, auch andere Familienmitglieder (incl. den Kindern!) einbeziehen (unter Ihrer Kontrolle!!) ► Sie beginnen jedes Spiel, Sie beenden jedes Spiel - nie Ihr Hund! ► Keine Zerrspiele! Zerrt Ihr Hund am Spielzeug, Spiel sofort beenden, Spielzeug wegpacken und weggehen / Ihren Hund erst einmal ignorieren!
Die „richtige“ Zurechtweisung:
Einige Grundlagen zu Zurechtweisungen und Strafen vorweg: Zurechtweisungen sind immer schlechter als positive Bestärkung. Ein Lob / eine Belohnung zur rechten Zeit bringen 10 x mehr Erfolg als eine Strafe. Dennoch sind Zurechtweisungen hin und wieder erforderlich! Je besser die Rangordnung zwischen Ihnen und Ihrem Hund klar ist, um so weniger Korrekturen müssen Sie anwenden! Kommunizieren Sie in der „Hundesprache“! Nur dann wird Ihr Hund auch die Strafe so verstehen, wie sie gemeint ist! Ein bloßes Anbrüllen wohlmöglich in ellenlangen Sätzen ist wertlos und wird noch nicht einmal als Strafe interpretiert! Mögliche hundgerechte Bestrafungen / Zurechtweisungen wären: ► Ein klares, einzelnes „Nein“ (oder No, Pfui, Aus), nicht zu laut, aber präzise, ist meist genug Damit das "Nein" funktioniert, muss Ihr Hund aber erst einmal verinnerlicht haben, was es bedeutet! Dafür ist ein bedächtiges und regelmäßiges "Nein-Training" im Vorfeld erforderlich! Unbedingt mehrfaches „Nein“ verhindern! Sie entwerten damit das „Nein“ zur Bedeutungslosigkeit. >>>Wird nach einem „Nein“ nicht gehört, muss es andere Konsequenzen geben!<<< ►Sehr effektiv ist die Strafe „Ignorieren“! Wenn Ihr Hund ein ungewolltes Verhalten zeigt, ignorieren Sie ihn! Das kann erheblich unangenehmer für einen Hund sein als körperliche oder verbale Bestrafung, da ein Hund um unsere Aufmerksamkeit bemüht ist. Wird ihm diese entzogen, hat das prägenden Einfluss! Wichtig ist, dass SIE die Ignorier-Phase wieder aufheben und nicht auf etwaige Bemühungen des Hundes um Aufmerksamkeit eingehen. ► Die nächste Stufe ist der sog. „Schnauzgriff“, greifen Sie Ihrem Hund entschlossen, aber nicht zu kräftig über den Nasenrücken um die gesamte Schnauze, dazu evtl. noch eine verbale Korrektur geben ► Gesteigert werden kann der Schnauzgriff durch Hochziehen des Kopfes und Schauen in die Augen, denn dies ist in Hundesprache eine Drohgebärde. Ihr Hund wird den Blick als Zeichen der Unterlegenheit abwenden! Steigerbar ist diese schon sehr starke Zurechtweisung mit einem kräftigen tiefen Knurren! ► Noch eine Stufe höher und nur im Notfall und bei sehr schweren Vergehen sollten Sie den Hund auf den Rücken werfen, sich über ihn knien und dabei kräftigst anknurren. Dies ist die maximale Zurechtweisung, mehr körperliche Zurechtweisung sollte nicht angewendet werden. Schlagen, Treten und die berühmte gerollte Zeitung haben in der Hundeerziehung nichts verloren! Extrem wichtig ist, dass Sie bei Bestrafungen die Beschwichtigungs-Gesten Ihres Hundes erkennen, mit denen er Ihnen signalisiert, dass er Ihre Dominanz akzeptiert hat. Sie müssen dann sofort nachgeben und keinesfalls die Strafe noch einmal verschärfen oder verlängern, sonst verliert Ihr Hund das Vertrauen in Sie! Die wichtigsten Beschwichtigungs-Gesten sind: ► Lecken um die Nase ► Wegschauen / Blick abwenden ► Ohren anlegen ► Gähnen ► Ihnen räumlich ausweichen mit einem abgewandten Blick!
Die Leine und das Gehen an der Leine
Die Leine ist ein wichtiges Element! Sie ist die direkte Verlängerung Ihres Armes und so sollten sie es auch sehen! Beißt ein Hund in die Leine, beißt er in Ihren Arm! An der Leine darf nicht gezogen werden! Zieht Ihr Hund - bleiben Sie stehen, gehen Sie einen Schritt zurück! Erst wenn die Leine durchhängt, geht es weiter. Auch wenn Sie anfänglich so nur meterweise vorankommen, nur so lernt Ihr Hund, dass Ziehen keinen Erfolg hat! Bleibt Ihr Hund mitten im Spaziergang stehen und will schnuppern: Gehen Sie strikt weiter! Sie (!!!) bestimmen, wann Pause ist! In der Regel geht es ja angeleint bis in den Wald / auf das Feld, wo dann abgeleint wird und frei geschnuppert werden kann. Aus diesem Grunde gibt es 2 Empfehlungen zum Thema Leine: Keine Flexi-Leinen verwenden!! Ihr Hund weiß damit nie, wo sein Freiraum angeleint endet und kann nicht zwischen angeleint und frei unterscheiden. Maximale empfohlene Leinenlänge: 1,5 Meter, besser nur 1 Meter! (Ihr verlängerter Arm!) Damit sie ohne Verletzungen zu verursachen auch einmal einen Ruck auf Ihren Hund ausüben können, sollten Sie bis zum Alter von 12 Monaten ein Geschirr verwenden, immer mal wieder zur Gewöhnung aber auch ein Halsband benutzen! Hund-zu-Hund Kontakte an der Leine sind für Hunde wertlos! Gehen Sie in dem Falle einfach zügig weiter oder, wenn möglich, sollten beide Hundebesitzer Ihre Hunde ableinen, dann können sich die Hunde artgerecht kennenlernen. Vorher unbedingt die Verträglichkeit erfragen! Wenn Sie im Wald Spaziergängern ohne Hunde oder mit angeleinten Hunden entgegen kommen, unbedingt Ihren Hund auch rechtzeitig anleinen, das vermeidet Konflikte, ebenso ist nicht jeder Hund ein netter Zeitgenosse. Wenn Ihnen ein nicht angeleinter Hund entgegen kommt, hat dessen Besitzer offensichtlich das Vertrauen in seinen Hund, haben Sie es ebenso, können Sie auf das Anleinen u. U verzichten und die Hunde sich frei begegnen lassen. Ein Restrisiko für Konflikte bleibt dabei aber bestehen, wobei die meisten Konflikte unter Hunden schnell geklärt sind und ohne Verletzungen ausgehen. Keinesfalls kleine Welpen und erwachsene Hunde unangeleint sich kennenlernen und spielen lassen: Große Verletzungsgefahr besteht! Kinder in der HundeerziehungKinder können die notwendigen und mühsam eingeübten Kommandos leider nicht mit der nötigen zeitlichen Präzision und Deutlichkeit anwenden und darüber hinaus auch die Konsequenzen der Nichtbeachtung leider nicht so umsetzen, dass das Vertrauen des Hundes in den Menschen keinen Schaden nimmt. Aus diesem Grunde sollten Kinder beim Welpen und Junghund keine Kommandos geben und keinesfalls alleine Übungen machen oder alleine Spazierengehen mit dem Welpen. Erst ab einem Alter von ca. 10-12 Jahren können Kinder in die Erziehung des Hundes unter Anleitung der Eltern einbezogen werden. Dennoch ist es sehr wichtig, dem Hund unmissverständlich klar zu machen, dass die Kinder in der Rangordnung deutlich über ihm stehen, dies ist aber die Aufgabe der Eltern! (siehe Rangordnungsübungen!) Wenn sich alle Familienmitglieder an die gleichen Regeln und Kommandos für den Hund halten, steht einem glücklichen Zusammenleben nichts mehr im Wege. Dennoch empfehlen wir Ihnen gerade am Anfang eine Hundeschule und eine Welpengruppe zu besuchen, selbst wenn Sie schon Hunde-Erfahrung haben oder viele Hunde in Ihrem Umfeld leben. Die Sozialisierung eines Welpen durch eine gute Hundeschule ist durch nichts zu ersetzen! Unser Team berät Sie gerne zu einer guten Hundeschule, auch bei weiteren Fragen zu diesem Thema stehen wir Ihnen selbstverständlich zur Verfügung! Bitte sprechen Sie uns an! Das Team der Kleintierpraxis Ingo Lühr
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